Das Netz ist voll mit Yoga-Übungen, die dich scheinbar schnell und erfolgreich Richtung klarer Geist bringen wollen. Ein Gefühl von Seelenfrieden und Ruhe lässt sich ja auch echt leicht herstellen, wenn man sowieso schon in einer guten Verfassung ist, das Leben richtig toll läuft und man sich fühlt, als könne man Bäume ausreißen. Aber was ist, wenn’s mal nicht so rosig ist? Was ist, wenn die Welt um einen herum scheinbar zusammenbricht?

Wenn alles einfach nur furchtbar ist und die Mundwinkel sich einfach nicht gegen die Schwerkraft wehren können, ist es wirklich schwierig, sich selbst zu erheben und irgendwie wieder Richtung klarer Geist zu manövrieren. Das Yogasutra beschreibt die Symptome einiger Hindernisse auf dem (Yoga-)Weg folgendermaßen:

Ein Gefühl von innerer Enge, ein Gefühl von tiefer Niedergeschlagenheit, eine Störung des harmonischen Gleichgewichts körperlicher Funktionen oder Unmöglichkeit, den Atem ruhig zu führen, gehen einher mit einem Geist, der in Probleme verwickelt ist.” YS 1.31

„Dein Yoga funktioniert wohl nicht“

Kennst du diesen Satz? Hast du ihn schon mal von jemandem in deinem Umfeld gehört? Wenn du Yoga machst, dann musst du doch 24/7 peaceful und total zen sein und immer positive Vibes ausstrahlen? Bullshit. Wären wir immer ruhig und klar, müssten wir kein Yoga mehr üben. Wir sind alle immer noch Menschen und werden zwangsläufig immer wieder mit geistigen, körperlichen und weltlichen Herausforderungen geprüft.

Der wirklich schwierige Teil im Yoga ist es, genau dann an bestimmte Übungen zu denken, wenn es uns schlecht geht. Genau dann die Kraft aufzubringen, sich mit dem Geist zu beschäftigen, wenn er mal wieder völlig am Durchdrehen ist. Denn weißt du was? Dein Geist hat mehr Kraft, als du glaubst. Im Positiven wie im Negativen. Du kennst sicherlich den Begriff „psychosomatisch“ – was im Wesentlichen bedeutet, dass dein Körper mit Krankheit auf etwas reagiert, das dein gestresster oder überforderter Geist ausgelöst hat. Wenn du dich also fragst, warum du überhaupt mit deinen Gedanken und Gefühlen arbeiten solltest, anstatt sie einfach mal machen zu lassen, dann sei dir bitte bewusst: Ein unkontrollierter Geist kann großen Schaden anrichten – deinem Inneren, deinem Körper und auch anderen. Wie ein Auto, das ohne Fahrer am Lenkrad durch die Gegend düst.

Ich probiere so viel, warum helfen die Übungen nicht?

Du bist ein Individuum mit ganz speziellen Herausforderungen, mit eigener Vorgeschichte und vor allen Dingen mit einzigartigen Glaubenssätzen. Manche Übungen können Wunder wirken, während du dich bei anderen fragst, was das alles überhaupt soll und dich das Ganze vielleicht einfach nur aufregt. Deswegen ist mein allererster Tipp für dich, wenn du versuchst, dich aus deinem mentalen Loch herauszuziehen: nimm nicht alles für bare Münze und überprüfe genau, was sich für dich gut anfühlt und was nicht. Du musst herausfinden, wie sich ein klarer Geist für die anfühlt.

Ein ganz wichtiges Instrument, vielleicht sogar das wichtigste überhaupt, ist die vielgepriesene Achtsamkeit. Ein Wort, mit dem wir heute um uns schmeißen wie mit Konfetti. Was ist das überhaupt? Was bedeutet es, achtsam zu sein? Achtsam bist du dann, wenn du die Rolle eines Zeugen einnimmst, konkret: Wenn du all das, was gerade in dir, in deinem Geist, in deinem Körper, und das, was um dich herum passiert wahrnimmst und in der Lage bist, es zu beobachten. Klingt kompliziert? Dieses wahre Selbst, von dem wir im Yoga immer reden, hat absolut gar nichts mit deinen Gedanken, oder deinen (Körper)Empfindungen zu tun. Du, dein Selbst, ist wie ein Kinobesucher, der sich den Film deines Lebens anschaut. Nicht betroffen.

Dominika, das klingt echt schwierig. Wie mach ich das?

Ja, es ist definitiv nicht einfach. Aber überleg mal, was du dadurch gewinnst: wenn du nur noch beobachtest, wenn du nur unbeteiligter Zuschauer bist, dann ist der Film plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Das Yogasutra schlägt ein paar Möglichkeiten vor, wie man konkret vorgehen kann, wenn ein klarer Geist dein Ziel ist.

Oder wir wenden uns dem Licht in unserem Herzen zu, das von Leid unberührt ist“. YS 1.36

Der Kontakt zu Menschen, die Hürden im Leben gemeistert haben, die uns noch unüberwindlich erscheinen, kann eine große Hilfe sein“. YS 1.37

Schau dir diese zwei Ideen an. Beide haben eines gemeinsam: Achtsamkeit. Die erste Übung schlägt vor, dass du dich wieder mit dem wahren Selbst, dem Licht, verbindest. Und wie dir das am besten gelingt? Das kommt auf dich an. Bei mir funktioniert es gut, wenn ich meine Augen schließe und mir vorstelle, wie alle meine Gedanken und Gefühle gerade auf einer Leinwand ablaufen. Und ich lasse sie. Der Film darf laufen und ich versuche, zuzusehen. Meistens fühle ich mich hinterher leichter.

Der zweite Punkt ist ein ganz wichtiger, gerade in der aktuellen Zeit, in der wir noch viel stärker uns selbst ausgeliefert sind. Vielleicht kennst du den Spruch „du bist der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen du dich umgibst“. Menschen können einen starken Einfluss auf dich haben. Überleg dir also sehr gut, wie dieser Einfluss sein soll. Umgibst du dich immer wieder mit Negativität, wird das zwangsläufig auf dich abfärben. Umgib dich also besser mit Menschen, die dich inspirieren.

Es muss nicht Yoga draufstehen, um Yoga zu sein

Die Ideen aus dem Yogasutra gefallen dir nicht so richtig oder helfen dir gerade nicht weiter? Hör einfach auf dein Inneres. Auf sich hören und reagieren ist der Inbegriff von Achtsamkeit! Wenn es dir schlecht geht, was hilft dir dann? Ein Spaziergang in der Natur, um einfach etwas aus dem Gedankenkarussel auszusteigen? Oder lenkst du dich gerne mit Kochen ab? Oder mit einem schönen Buch? Was es auch ist, es ist gerechtfertigt. Wenn du es schaffst, aktiv etwas für dich zu tun anstatt dein Leid einfach passiv hinzunehmen, bist du schon einen großen Schritt weiter als die meisten anderen. Schreib mir gerne, wenn du nach weiteren Tipps und Tricks für solche Situationen suchst.

Bis dahin alles Liebe

Dominika

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